Die Dürkopp-Werke vor dem Zweiten Weltkrieg

Bereits vor der Jahrhundertwende produzierten die 1867 von Nikolaus Dürkopp gegründeten Dürkopp-Werke motorisierte Zweiräder, Automobile und Lastwagen. Als Zweiräder wurden verschiedene Modelle mit Ein- und V-Zweizylinder-Motoren hergestellt. Sogar eine Vierzylinder-Reihenmaschine befand sich im Programm. Als Antriebsaggregate wurden dabei ausschließlich eigene Konstruktionen verwendet. 1912 wurde die Motorradproduktion zu Gunsten des Automobilbaus eingestellt. Erst 1927 fanden die Bielefelder wieder zur Zweirradfertigung. Dabei konfektionierte Dürkopp die im eigenen Hause hergestellten Kräder mit Motoren fremder Fabrikate, wie z.B. das Modell M10 mit 98er Sachs-Motor.

 

The Dürkopp Factory before the Second World War

Even before the turn of the century, the Dürkopp factory in Bielefeld (founded 1867 by Nikolaus Dürkopp), had produced motorcycles,  bicycles, motor cars and lorries. Dürkopp manufactured different motorcycles with one and two cylinder engines and even a four cylinder series engine appeared in their catalogue. These engines were solely their own construction. Because of a foray into motor car production, motorcycle manufacture was temporary stopped between 1912 and 1927. Thereafter, Dürkopp used the engines from other manufactures to fit into their motorcycles, e.g. the 98 cc Sachs engine for the M10 model.

 

Die ersten Anfänge nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpften die Dürkopp-Werke wieder an den Zweiradbau an. Zuerst wurde das Modell M10 wiederbelebt. Es folgte die Modelle MKL 100, MF 100, MFS 100 (jeweils mit 98er Sachs-Motor) und das Modell M 125 mit Ilo-Motor bzw. M 125 A mit Ardie-Motor. Parallel dazu liefen die Entwicklungsarbeiten für eigene Antriebsmaschinen, u.a für einen neuen 200ccm-Motor: geplant für die Produktion von Motorrollern.

 

Restarting After the Second World War

After the Second World War, Dürkopp continued to manufacture motorcycles. Initially, the M10 model was revived, followed by the MKL 100, MF 100, MFS 100 models (all with 98cc Sachs engines.) The M125 and the M 125 A models followed, with an Ilo engine and Ardie engine respectively. At the same time, Dürkopp were also developing their own engines, e.g. a 200cc two stroke engine for a scooter.

 

Die Dürkopp-Werke stehen mitten in Bielefeld. Bis zum heutigen Tage produziert Dürkopp-Adler dort Teile. Die Fabrikgebäude stehen teilweise unter Denkmalschutz.

The Dürkopp factory is situated in the centre of Bielefeld. At present, Dürkopp-Adler still manufactures components there for its products today, and the factory buildings are now under a preservation order.

 

Zuerst kam jedoch 1951 das erfolgreichste Dürkopp-Motorrad -die MD150- heraus. Die MD 150 war das erste Nachkriegsfabrikat bei Dürkopp mit einer selbstkonstruierten und gefertigten Antriebsquelle. Das Fahrzeug gehörte damals zu den besten Maschinen der deutschen Motorrad-Industrie und war einer der schnellsten seiner Klasse. Entsprechend gut wurde das Motorrad verkauft. 17890 Stück wurden in den Jahren 1951 bis 1954 gebaut. 1952 erschien außerdem die MD 200 mit dem 198ccm-Dürkopp-Zweitaktmotor. Ende 1954 stellte Dürkopp die Produktion der MD 150 und MD 200 ein.

 

In 1951, the most successful Dürkopp motorcycle the MD150, was launched. The MD150 was the first post-war product with an engine solely made by Dürkopp again. The machine was one of the best constructed from the german motorcycle-industry and also one of the fastest. No wonder the sales were excellent, 17,890 MD150 motorcycles were built between 1951 and 1954. In addition the MD200 with a 198cc engine, was also available from 1952. At the end of 1954, Dürkopp terminated the production of the MD150 and the MD200.

 

Der Motorroller Diana

Doch schon auf der IFMA 1953 wurde der neue Dürkopp-Motorroller Diana vorgestellt. Dieses neue Produkte sollte der Bielefelder Firma in den nächsten Jahren einen ansehlichen Verkaufserfolg bescheren. Die Serienproduktion startete 1954 unter großem Interesse der Käufer, denn der Name Dürkopp verpflichtete. Die Bielefelder Firma hatte für sein neues Erzeugnis einen schön klingenden Namen gewählt: "Diana", die Göttin der Jagd. Schon damit drückten die Bielefelder viel von der grazilen Kraft dieses Rollers aus, die sich nicht nur in den Fahreigenschaften, sondern auch in der Formgebung niederschlug. Die "Dame" konnte sich sehen lassen. Die Diana war ohne Zweifel das Beispiel eines klassischen Rollers, bei dem das italienische Vorbild befruchtend gewirkt hatte. Man hatte in Bielefeld erkannt, daß bei einem Rollerkauf vorallem die Schönheit ausschlaggebend war. Aber nicht nur optisch war die Diana aus einem Guß, auch technische Gestaltung des Rollers zeigte viele interessante Besonderheiten.

 

The Diana Scooter

At the 1953 IFMA fair held in Frankfurt the new Dürkopp Diana scooter was presented. This new product was hoped to be a big seller for Dürkopp. Customer interest was enormous, benefited by the Dürkopp name. Dürkopp had chosen a name with a good sound: “Diana” - meaning the goddess of hunting. The name stood for power and beauty and without doubt, the Diana was a german scooter with a touch of italian design. Dürkopp recognised that the design of the scooter was one of the most important purchasing decisions a customer made. But not only the design was remarkable, the Diana offered a lot of interesting technical features. The name Diana not only signified much about the graceful strength of this scooter, which appeared not only in the handling characteristics, but also the styling. The "lady" could allow herself to be seen, and full series production started in 1954.

 

Ulrich Kubisch (Museum für Verkehr und Technik, Berlin)
"Sie machte ihrem Namen Ehre. Graziös und voller Spannkraft wie Diana, die Göttin der Jagd, stark und wendig: das war die Dürkopp Diana, einer der besten Roller, die je in Deutschland gebaut wurden. Sie galt als die glückliche Vereinigung des italienischen Stils mit der Leistung des deutschen Reiserollers."

Ulrich Kubisch (Museum for Traffic and Technic, Berlin)
“Its name does it credit. Graceful and full of vigour like Diana, the hunting goddess, powerful and agile, - this was the Dürkopp Diana, one of the best scooters ever manufactured in Germany. The Diana was the perfect combination of italian design with the power of a german scooter.”

 

 

Die Rahmenkonstruktion der Diana war wirklich erstaunlich. Sie bestand aus drei wesentlichen Teilen: 

  1. dem Fußschild, das durch Kasten- und U-Profile so gestaltet war, dass es selbsttragend war,
  2. dem Unterrahmen, der Motor, Auspuff und hintere Schwinge trug, 
  3. und dem Oberrahmen, auf dem Sitze, Tank und Gepäckträger befestigt waren.

Der Unterrahmen war über Gummipuffer mit der restlichen Rahmenkonstruktion verbunden. Auf diese Weise war der Unterrahmen mit Motor vom Rest des Rollers schwingungsmäßig entkoppelt, d.h. die unangenehme Vibrationen des Motors kamen nicht bis zum Fahrer durch. Diese Konstruktion war sogar patentiert (Patentschrift Nr. 962 578, Patentbeginn 25. März 1954). Eine wirklich clevere Konstruktion.

Auch an anderer Stelle verfügte die Diana über pfiffige Lösungen. Die Leerlauffalle ermöglichte das schnelle Schalten in den Leerlauf. Ein Tritt auf den Kickstarter brachte aus jedem beliebigen Gang den Originalleerlauf zwischen erstem und zweitem Gang, eine grosse Hilfe im Großstadtverkehr. Das Rauf- und Runterschalten erfolgte blitzschnell und ohne Fußakrobatik mittels Einhebel-Fuß-Druckschaltung. Die praktische Seitenverkleidungen konnten durch Bajonettverriegelungen sekundenschnell abgenommen werden. 12 Liter Tankvolumen sind heute noch ein respektabler Wert. Schon bald gab es die Diana mit einer 12V-Dynastartanlage von Noris. Dadurch verfügte der Motorroller über zwei unabhängige Startvorrichtungen: E-Starter und Kickstarter.

 

 

The construction of the frame was really amazing. It was comprised of three parts: 

  1. the self supporting front section - formed of drawn sheet metal with pressed components welded on, 
  2. the lower section - which supported the engine the exhaust pipe and the rear single swinging arm,
  3. and the upper section of double tubular construction - on which the seats, the tank and the luggage carrier were fixed.

The lower section was fixed with three rubber buffers at the front section. This way, the vibrations of the bottom section with the engine were not transferred to the rest of the scooter, or the rider - a really smart design feature. This feature was even patented (patent specification No. 962,578, start of patent 25 March 1954).

The Diana had also other cute design features. The kickstarter also had another feature, doubling up as a fast changing neutral selector. One kick on the kickstarter changed out of gear into the neutral, a
great feature in city traffic. Gear changing was easily performed by a single short travel foot pedal. The engine sidepanels were easily removed in seconds, thanks to handy bayonet socket release handles. The fuel tank capacity of 12 litres is still respectable today and gave a range of about 300km. Another feature to appear on the Diana, was a 12V Noris Dynastarter. A result of this was that the scooter now had two independent starting devices; the electric self-starter and the kickstarter.

 

Die Diana TS und Diana Sport

Ab 1959 wurde aus der ursprünglichen Diana die Diana TS (mit 10.8 PS aus 175 ccm) und die Diana Sport (mit 12 PS aus 200 ccm). Die zwei Einzelsitze wurden durch eine Sitzbank ersetzt. Die TS erhielt außerdem ein überarbeitetes Blechkleid. Der Scheinwerfer wurde in der Frontverkleidung integriert. Doch Dürkopp hatte aufgrund seiner anderen Produktionszweige nur eine beschränkte Zweiradproduktion - die Bielefelder mußten nicht von der Rollerfertigung leben und begnügen sich die vorhandene Nachfrage zu befriedigen. 1961 kam, nach gerade 888 gefertigten TS-Rollern, das Aus für den gesamten Fahrzeugbau bei Dürkopp. Er wurde zu Gunsten der Bereiche Wälzlager und Industrie-Nähmaschinenen eingestellt.

 

Die Diana TS and Diana Sport

In 1959, the Diana Standard model was replaced by the Diana TS (with 10.8 H.P. 175 cc engine) and the Diana Sport (with 12 H.P. 198 cc engine). The two single rubber seats were also replaced by a single dual bench seat. The TS featured revised bodywork, with the headlamp being shifted from the headset onto the front horncast section. But because of other products and components then being manufactured, scooters production was limited - as it was not critical for Dürkopp to earn profits by selling the Diana and it was content with satisfying demand. After producing 888 TS scooters, all motorcycle and scooter production ended in 1961. The reason for this was to favour the production of industrial sewing machines and bearings.

 

Motorroller & Kleinwagen, 4/1960
"
Als Neuentwicklung erschien Ende 1959 die neue Diana 175 TS, die sich äußerlich durch die Gestalt der Scheinwerferpartie und des Lenkers augenfällig von dem Vormodell unterscheidet, in den wesentlichen konstruktiven Dingen jedoch nicht geändert werden brauchte."

Motorroller & Kleinwagen, 4/1960
"
At the end of 1959, the new Diana 175 TS was launched. It differed from the previous model, by the redesign of the headlamp section and the headset, but otherwise, the main construction remain unchanged."

 

Die Mopedmodelle von Dürkopp

1955 wurden die Ardie-Werke, Nürnberg, den Dürkopp-Werken angegliedert. Schon 1952 hatte Dürkopp für Ardie Teile gefertigt. Nach der Fusion wurden mehrere Moped-Modelle auf den Markt gebracht, die sowohl unter dem Namen Dürkopp wie auch Ardie vertrieben wurden. Den Auftakt bildete das Moped "Fratz I" mit einem Dürkopp M-50-Motor. Es folgten Fratz II, III und IV sowie 1961 die "Dianette" (in Anlehnung an den erfolgreichen Motorroller Diana).

 

 

The Dürkopp Mopeds

Since 1952, Dürkopp had manufactured parts for Ardie. In 1955 the Ardie factory, situated in Nuremberg, was incorporated in the Dürkopp trust. After the merging between Dürkopp and Ardie, a couple of mopeds were marketed, under both the Dürkopp and Ardie names. The first moped was the “Fratz I” model with a 50cc two stroke engine from Dürkopp. It preceded the “Fratz II”, Fratz III”, “Fratz IV” models and the “Dianette” model.

 

 

 

Dürkopp heute

1962 wurde Dürkopp als Tochtergesellschaft von der FAG-Kugelfischer GmbH aus Schweinfurt übernommen. Das Produktionsprogramm wurde in Richtung Industrie-Nähmaschinen und Fördertechnik ausgebaut. Anfang der Achziger Jahre wurde der Wälzlagerbau bei Dürkopp eingestellt. Heutzutage ist Dürkopp-Adler ein modernes Unternehmen mit den Produktionsschwerpunkten Industrie-Nähmaschinen, Nähanlagen, Nähautomaten und Fördertechnik mit weltweiten Vertrieb und Fertigung in Tschechien (siehe auch www.duerkopp.com und www.duerkopp-adler.de).

 

Dürkopp Today

In 1962 Dürkopp was taken over as a subsidiary company by FAG-Kugelfischer GmbH, situated in Schweinfurt. At the beginning of the eighties the manufacturing of bearings ended. Today Dürkopp-Adler is a modern company with its main focus on the manufacturing of industrial sewing machines, high speed sewers, multi-needle-machines and winding machines. the company has worldwide supply and production sites in the Czech Republic. (see also www.duerkopp.com and  www.duerkopp-adler.de).

 

 

© Dürkopp Diana Info Point (1997 - 2003)